Meine Mutmach-Story

Hier findest du Mutmach-Geschichten anderer brandverletzter Jugendlicher und junger Erwachsener. Vielleicht können sie dich dabei unterstützen mit deinen Verbrennungs- oder Verbrühungsnarben zurechtzukommen und dir Mut machen.

Meine Geschichte beginnt im Alter von 1 ½ Jahren. Von den Erzählungen meiner Eltern weiß ich, dass ich als Kind gerne geklettert bin. Irgendwie habe ich es zustande gebracht, die Herdplatte anzumachen. Ich habe mir damals meine rechte Hand an der Innenfläche so stark verbrannt, dass eine Hauttransplantation notwendig war.

 

In meiner Kindheit bis zum Teenageralter hatte ich selbst mit den Umständen wohl eigentlich am wenigsten Probleme. Eher haben sich die Probleme auf meine Eltern, speziell auf meine Mutter, ausgewirkt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm es für die beiden gewesen sein muss, dass mir dieses Schicksal widerfahren ist. Das tägliche Eincremen der Hände, das Bewegen und Strecken meiner Finger und das Massieren der Haut gehört zu meinem Alltag dazu.

 

Für mich war die schwierigste Zeit im Teeniealter, da ich die Sorge hatte, dass jemand meine Hand eklig oder abstoßend finden würde. In dieser Zeit fiel es mir schwer, anderen Menschen die Hand zu geben, da immer wieder danach gefragt wurde, was mit meiner Hand passiert wäre. Um solche Situationen zu verhindern, habe ich mich zurückgezogen. Allgemein mochte ich es nicht, darauf angesprochen zu werden. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, warum es ausgerechnet mich treffen musste. Ich denke, diese Frage wird sich jeder schon einmal gestellt haben.

 

2008, als ich 20 Jahre alt war, wurde meine Hand erneut operiert. Ich bekam Haut von der Leiste an die Innenfläche der Hand transplantiert, um eine bessere Beweglichkeit zu erreichen. Nach einigen Monaten der Rehabilitation konnte ich endlich das Ergebnis spüren und war überglücklich, dass es sich deutlich verbessert hat. Mittlerweile bin ich 30 Jahre alt und habe durch Zufall von Paulinchen gehört. Mir war sofort klar, dass ich mich gerne einbringen will, um Kindern und Jugendlichen mit ähnlichem Schicksal zur Seite zu stehen. Ich weiß, wie es ist, wenn man etwas hat, das die meisten Leute nicht kennen oder nie Berührungspunkte damit hatten. Ich hätte mir gewünscht, dass ich mit jemandem hätte sprechen können, der mich wirklich versteht.

 

Denn eines ist sicher, nicht die verbrannte Haut oder sonstige Äußerlichkeiten machen einen Menschen unglücklich oder lassen einen zweifeln. Die Art und Weise, wie man mit der Situation umgeht und ob man sich davon in seinem Leben herunterziehen lässt oder ob man sich dagegen aufbäumt und das Beste daraus macht, ist das A und O. Es gibt viele unterschiedliche Beispiele und jede Person geht anders damit um. Ich habe meine Geschichte erzählt und hoffe, dass sie etwas helfen kann.

 

Vielleicht schreibst auch du deine Geschichte und nimmst dein Schicksal selbst in die Hand.

 

Dein Cornelius

Mit diesem kleinen Bericht möchte ich andere unterstützen, die mit Verbrennungs- oder Verbrühungsnarben zurechtkommen müssen. Denn auch ich habe als einjähriges Kind so einen Schicksalsschlag erleben müssen, von dem ich einige Narben, sowohl psychisch als auch physisch, davongetragen habe bzw. heute noch trage.

Nach meinem Unfall durften mich meine Eltern nur durch die Scheibe der Zimmertür sehen, denn der direkte Kontakt war wegen des Einschleppens von eventuellen Krankheiten zu gefährlich für mich. Ich wurde künstlich ernährt. Aber - und da bin ich unheimlich stolz auf meinen Körper, dass er es geschafft hat, sich fast vollständig zu regenerieren. Jeweils eine Hauttransplantation an der Schulter und an der Armbeuge war notwendig. Die Haut dafür wurde aus meinem Oberschenkel genommen, was heute noch als Narbe zu sehen ist. Am Arm, an der Schulter, am Hals und über der Brust sind auch noch Narben geblieben. Diese sind zwar recht offensichtlich, aber mittlerweile auch gut verheilt. Die Narben auf dem Kopf werden durch die Haare gut verdeckt. Aber es sind ja nicht nur die körperlichen Verletzungen, die bei so einem Unfall bewältigt werden wollen. Nein, es sind auch die psychischen Nachwirkungen, die einen in die Knie zwingen und einem das Leben schwer machen.

Durch die Narben können starke Selbstzweifel und ein niedriges Selbstwertgefühl entstehen. Gerade als Jugendlicher stellt man sich Fragen wie: „Werden die anderen mich mit meinen Narben mögen?“, „Lachen mich andere deswegen aus?“, „Bin ich noch attraktiv für das Mädel oder den Typen?“, „Bin ich jetzt nichts mehr wert?“. Du verstehst sicher, was ich meine und vielleicht kannst du dich hier auch ein wenig wiedererkennen. Wenn ja, dann kann ich das sehr gut nachvollziehen. Diese Fragen stellte ich mir jahrelang und du willst dir gar nicht ausmalen, wie ich über mich selber gedacht habe.

 

Deine Gedanken bestimmen, wie du dich fühlst!

Wenn du deine Narben überhaupt nicht magst, dich im Spiegel ungern anschaust, ist das ein Teufelskreis. Je intensiver und länger du solche Gedanken hast, umso mehr werden sie sich bei dir manifestieren und umso schlechter fühlst du dich.

Aber ich kann dir garantieren, niemandem ist geholfen, wenn du dich schlecht fühlst ... dir am wenigsten. Auch ich habe heute noch ab und an Tage, wo ich mir denke, auf die Narben könnte ich gern verzichten. Das sind aber meist die Tage, an denen ich sowieso nicht so gut drauf bin. Ich denke, das ist normal und man braucht sich auch nicht verrückt machen, nur weil man mal einen Moment nicht im Reinen mit sich selber ist.

Vielmehr ist es wichtig, die Merkmale, die du aus deinem Schicksalsschlag erlitten hast, als Teil von dir als Person anzusehen und sie nicht zu bewerten. Sie sind weder gut noch schlecht. Sie sind einfach ein Teil von dir, so wie die ganze Erfahrung, die du damit gemacht hast. So ist das und nicht umgekehrt. Du bist weder die Narbe, noch die Erfahrung, die du gemacht hast. DU bist ein guter und wertvoller Mensch und das sage ich jetzt, ohne dich zu kennen! Die Menschen, die ich kennenlernen durfte, welche eine ähnliche Situation wie du und ich durchmachen mussten, waren oft die tollsten und interessantesten Menschen, die ich getroffen habe. Also nochmal, DU BIST EIN UNGLAUBLICH WERTVOLLER MENSCH! Doch wie schaffst du es nun, deine Merkmale zu akzeptieren, wenn du eine Art innere Blockade tief in dir dagegen spürst?

 

Du musst deine Komfortzone verlassen und durch deine Angst hindurchgehen

Lass mich dir das kurz erklären. Wenn du deine Merkmale versteckst, versteckst du immer einen Teil von dir und das ist unglaublich schlecht für dein Selbstwertgefühl. Dennoch kann ich es sehr gut nachvollziehen, wenn du deine Narben gerade vor fremden Menschen nicht sofort zeigen möchtest. Das ging mir ja selber jahrelang so. Aber wie habe ich es geschafft, mich zu überwinden und durch meine Angst hindurchzugehen und wie kannst du das auch schaffen?

Mir hat es mehr geholfen, kleine Schritte zu gehen, als einen zu großen Schritt machen zu wollen. Wenn du dich bislang nicht getraut hast, deine Merkmale offen zu zeigen, kannst du versuchen, dies zunächst jeden Tag 5 Minuten lang zu tun. Wenn das für dich kein Problem mehr darstellt, dann gehe hoch auf 10 Minuten usw. Ich weiß, dass klingt total banal und simpel, aber für mich hat es wahre Wunder bewirkt. Als ich gezwungen war von zu Hause und den Freunden wegzuziehen, erreichte ich meinen persönlichen Durchbruch, weil ich auf mich alleine gestellt war. Dadurch, dass ich mich viel mit mir selbst beschäftigte, wurde mir klar, wie unnötig die Gedanken waren, die ich mir über mich selber machte. Auch durch Meditationen habe ich mehr über mich erfahren und habe nach und nach zu innerer Ruhe gefunden.

Du wirst über kurz oder lang positives Feedback bekommen, die negativen Gedanken loswerden und diese in positive umwandeln.

 

Siehst du dich selbst besser, werden das auch alle anderen tun!

Das ist eine Tatsache, die man nicht abstreiten kann. Natürlich wirst du immer wieder mal auf Menschen treffen, die eine blöde Bemerkung oder ähnliches über deine Merkmale machen. Bitte ignoriere solche Menschen und mache einen großen Bogen um sie.

 

Bleib am Ball!

Dies gilt nicht nur für das Thema, welches wir hier besprechen, sondern für alles, was du dir vorgenommen hast und wünschst. Ich bin der Überzeugung, wenn man wirklich an sich glaubt und sich von Rückschlägen nicht in die Knie zwingen lässt, kann einen nichts aufhalten und man wird über kurz oder lang seine Ziele erreichen.

Mit diesen Worten möchte ich diesen kleinen Bericht beenden. Das ist meine Geschichte und jeder Mensch ist individuell. Ich hoffe jedoch, dass du aus meiner Geschichte positive Erkenntnisse gewinnen konntest.

Für deine Zukunft wünsche ich dir das Allerbeste und vielleicht sieht man sich ja mal.

 

Dein Tobi