Kimberley

Im Jahr 1999 lebten wir als kleine Familie, mein damaliger Mann, meine Tochter Kimberley und ich, in einem alten Holzblockhaus weit oben auf einem Berg, im Wald, sehr idyllisch und mit sehr viel Natur umgeben, etwas abgelegen vom Zentrum der Stadt.
Am 27. Mai 1999 war ich mit Planungen für eine Geburtstagsparty beschäftigt. Es war ein wunderschöner Maitag. Die Sonne strahlte und meine zweijährige Tochter Kimberley trug schon kurze Kleidung, ein Wickelshirt und kurze Hosen.
In dem alten Haus, in dem wir lebten, standen noch von der vorherigen Besitzerin die alte Küche und Möbel. Die Küche bestand aus einem Ofenherd, Spülbeckenschrank, einem alten Sofa und einem großen Tisch davor, eine richtige Wohnküche wie früher. Ich konnte von der Küche bis zum Haushinterausgang nach draußen schauen, wo Kimberley mit ihrer Puppe in einer Zinkwanne spielte. Ich schälte gerade im Spülbecken die Kartoffeln als Kimberley herein kam, auf die Lehne des Sofas krabbelte und rohe Kartoffeln aß. Ganz ohne an etwas Schlimmes zu denken, gab ich mich meinen Vorbereitungen für die bevorstehende Party hin. Ich plante Kartoffeln, Reis und Nudeln zu kochen, um am nächsten Tag Aufläufe und Salate davon zu machen. Ich stellte zu erst die Kartoffeln und die Nudeln zum Kochen auf die Platten. Während diese kochten, klingelte mein Handy. Ein Freund rief mich an. Während ich telefonierte, wechselte ich nebenbei die Töpfe von den Platten, da die Kartoffeln fertig waren. Den nächsten Topf für den Reis hatte ich schon vorbereitet mit Wasser und stellte den Kartoffeltopf auf eine Unterlage und nahm den Topf mit dem Wasser und stellte ihn auf die E-Platten.
Als ich mich umdrehte zum Tisch, saß meine Kimberley auf dem Sofa. Ich konnte gar nicht so schnell reagieren… sie hatte am Henkel von dem Kartoffeltopf gezogen… Oh Gott, ich stand wie versteinert ... Kimberley hatte den Topf mit den Kartoffeln und dem heißen Wasser im Schoss liegen …
 
Ich lief um den Tisch, nahm sie unter dem Arm und zog sie vom Sofa. Sie stand vor mir und gab keinen Mucks von sich. Ich war mir der Situation nicht bewusst und sprach sie ständig an, zog ihr die Hosen runter und versuchte das T-Shirt vom Körper nach oben zu ziehen. Jedoch war es ein Wickelshirt, das an der Seite einen Knoten hatte, den ich nur schlecht aufbrachte, weil er mit dem Kartoffelwasser getränkt war. Ich hob sie hoch und wollte mit ihr ins Bad. Auf dem Weg dorthin fiel mir ein, dass ich kein Telefon mitgenommen hatte und dass im Bad kein Netzempfang ist. Da ich sie ja nicht allein in der Wanne zurücklassen konnte, lief ich mit der Kleinen wieder zurück in die Küche. Dort warf ich alle Handtücher und Wischtücher in das Spülbecken und ließ kaltes Wasser darüber laufen.
 
Nun begann auch Kimberley nach dem Schock Schmerzen zu spüren und fing an zu Weinen. Ich sah, wie sich große Wasserblasen an den Beinen bildeten. Mir wurde immer bewusster, wie schlimm es war und dass wir sofort Hilfe benötigten. Schnell griff ich nach meinem Telefon und rief die Notfallnummer an. Ich erklärte so gut ich konnte wo wir im Wald wohnten und versuchte nebenbei Kimberley, die nun schon auf dem Boden saß, die mit Wasser getränkten Handtücher zum Kühlen auf die verbrühten Stellen zu legen. Kimberley fing an zu zittern, wie bei Schüttelfrost. Ich wurde immer unruhiger und bestimmender am Telefon und bat den Mann um eine schnelle Hilfe. Kimberley hatte mittlerweile viel Haut verloren und wollte sich zudecken, weil es ihr kalt war. Ich ließ sie das tun, was, wie sich im nach hinein rausstellen sollte, keine gute Idee war.
 
Die Zeit bis die Helfer eintrafen wurde zur Ewigkeit, denn die Ärztin fand das Haus nicht gleich. Mit dem Rettungswagen kamen zwei Sanitäter ins Haus. Sie signalisierten mir mit Blicken, dass hier ganz schnell etwas passieren muss. Als die Ärztin die Verbrühungen von Kimberley sah, gab sie den Rettungssanitätern Instruktionen. Sofort ging ein Notruf an das nächste Verbrennungsklinikum und es wurde ein Flugtransport für Kimberley bestellt. Oh Gott, das hätte ich mir vor einer halben Stunde alles nicht träumen lassen. Es war schrecklich. Mittlerweile war es schon halb Acht abends und es dämmerte schon. Ich hörte, wie die Sanitäter sagten, dass hoffentlich der Helikopter schnell los fliegt, da er sonst keine Startgenehmigung mehr bekäme.
Die Ärztin war nun selbst auch aufgeregt. Kimberleys Venen zogen sich zurück und sie konnte keine Infusion legen. Alle waren angespannt. Sie klopfte auf Kimberleys Händen und Füßen um die Nadel in die Venen geben zu können. Keine Chance.
Ich war wie betäubt, alles ging so schnell und alles was um mich herum passierte war neu und schrecklich. Nun wurde die Ärztin laut, sprach auf mich mit sehr strenger Stimme ein, dass ich Kim, die sich nun mittlerweile gegen das Ganze was da mit ihr passierte mit Schreien und Strampeln wehrte, festhalten sollte. Ich hielt Kimberley fest, aber eigentlich wusste ich gar nichts mehr. Ich sah, wie die Ärztin ein Loch in das Schienbein bohren wollte, um dort die Infusion in den Knochen legen zu können. Ich war total mit dem Festhalten überfordert.
Die Ärztin brach ab und bat die Sanitäter Kimberley in den Rettungswagen zu bringen. Ich sollte kaltes Wasser nachbringen. Im Wagen schafften sie es auch nicht, Kim die Infusion zu legen. Oh mein Gott, dachte ich, nun schütteten sie Kimberley auch noch das kalte Wasser über den Körper. Sie tat mir so unendlich leid. Sie hatte Schmerzen, sie fror und ich konnte gar nichts für sie tun.
Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie irgendetwas mit Verbrühungen zu tun gehabt. Ich wusste auch nicht, dass man Nachkühlen muss, da die verbrühte Haut die Hitze speichert und es zu stärkeren Schäden führen kann, wenn man nicht lange genug kühlt.
 
Ich streichelte Kimberly und versuchte sie zu beruhigen, was aber kaum möglich war, denn sie hatte große Angst.  
 
Ich hatte den Hubschrauber gar nicht kommen hören. So war ich auf das ganze Geschehen konzentriert. Die Rettungssanitäter kamen in den Rettungswagen und schickten mich erst einmal raus. Erst jetzt bemerkte ich, wie viele Menschen auf der Straße waren. Alle Nachbarn, viele neugierige Menschen und selbst die Presse war schon da …
 
Ich übergab meiner Nachbarin mein Telefon und bat sie meinen Mann und die Familie anzurufen. Da kamen auch schon der Pilot und die Anästhesistin. Sie hatten keine guten Nachrichten für mich. Er sagte mir, dass Kimberley in Lebensgefahr sei, er ihr nun einen Infusionszugang über die Halsschlagader gelegt habe und er nicht wisse, ob sie das schaffen würde.  
Oh Gott… waren nur noch meine Gedanken!  

Mein Mann war nun auch da und hielt mich im Arm. Ich konnte nun nichts mehr verstehen und ich fühlte nichts.
 
Ich durfte, nachdem sie Kimberley in den Helikopter legten, noch einmal mit der Ärztin unter die Rotorenblätter laufen und mich verabschieden von meiner Tochter. Sie war blass, ihre Augen anders geschlossen als sonst, wenn sie schläft, einfach leblos. Ab dem Zeitpunkt habe ich keine Bilder mehr. Ich kann mich nicht erinnern, wie der Hubschrauber weg geflogen ist.
 
Erst an die Gespräche im Haus mit der Ärztin und auf das Warten auf den Anruf von der Klinik, habe ich bruchstückhafte Erinnerungen. Ich fühlte mich so hilflos. Ich hatte nichts im Griff. Das machte mir große Angst.
Und dann kam der Anruf auf dem wir so sehnsüchtig gewartet haben.
 
Kim war außer Lebensgefahr und es ging ihr den Umständen entsprechend gut! Am nächsten Morgen fuhr ich sofort in die Spezialklinik zu Kimberley.
 
Dort angekommen, wurde ich erst einmal mit den Formalitäten und dem weiteren Verlauf der Behandlung vertraut gemacht. Zudem wurde der Sachverhalt zum Unfallhergang durch einen Vertreter der Staatanwaltschaft geklärt, der prüfte, ob Absicht vorlag. Kein schöner Gang für mich, aber wohl nötig, da es auch solche Fälle geben soll.
 
Danach durfte ich zu Kimberley. Sie lag auf der Intensivstation. Ich musste erst einmal durch zwei Türen, Kleidung tauschen und kam in einen Raum der Körpertemperatur hatte. Da lag sie nun, meine kleine Kim. Verbunden von Kopf bis Fuß, weinend und wusste mit ihren zwei Jahren nicht was passiert war.
 
Ich konnte mit der Situation nicht gleich umgehen. Ringsherum piepste es, überall Schläuche und der erste Schock sollte erst noch kommen. Ich wagte einen Blick unter die Verbände und erschrak, als ich sah, dass die Verbände an die Haut fest getuckert waren. Die Schwester beruhigte mich und mir
wurde klar, dass ich wohl noch mehr im Laufe der Zeit erleben würde, was ich wohl nicht gleich verstehen werde. Ich musste vertrauen, mich nur um meine Tochter kümmern und Geduld haben.
 
Im Zimmer meiner Tochter lag ein Junge Namens Michael, der durch einen Verbrennungsunfall einige Tage vorher eingeliefert wurde. Seine Mutter Birgit, die mir gleich sympathisch war, half mir und gab mir sehr viel Auskunft über den Verlauf der Behandlung und die Begebenheiten in der Klinik.
 
Ich nahm auf unbegrenzte Zeit ein Zimmer in einer Villa gegenüber der Klinik, gleich neben Michaels Mutti! Ich war froh und glücklich, dass ich so schnell Anschluss gefunden hatte. So war ich nicht allein mit der Situation.
 
Kimberley lag 14 Tage auf der Intensivstation. Am dritten Tag nach dem Unfall transplantierten die Ärzte Spalthaut vom Kopf auf die verbrühten Stellen, Brust, Bauch, Beine und Genitalbereich.
Ab nun fand alle zwei Tage ein Verbandswechsel statt. An diesen Tagen durfte Kim nichts essen wegen der bevorstehenden Narkose und am nächsten Tag sollte sie so viel essen wie es nur geht, da eine gute Ernährung auch zur Heilung beiträgt. Das vergisst man nicht! Es war ein Kampf. Jeden Tag musste ich meiner Tochter etwas anderes erzählen. Mit zwei Jahren war sie noch nicht so einsichtig und wir kämpften viel mit Tränen und Wutanfällen.
 
Fünf Tage nach der ersten OP erklärten mir die Ärzte, dass sie noch einmal Spalthaut entnehmen müssten, da noch nicht alles versorgt sei. Da jedoch noch keine neue Haut vom Kopf entnommen werden konnte, wollten die Ärzte vom Rücken entnehmen.
 
Doch das lehnte ich ab, denn ich hatte bei Michael gesehen, welche Komplikationen dies haben konnte. Er war vorn transplantiert und hinten genauso offen, bekam eine Latexmatratze und wurde untergespült, damit die Wunden nicht verklebten. Daraufhin bekam er eine Lungenentzündung.
 
Also warteten die Ärzte noch einige Tage und entnahmen noch einmal vom Kopf. Kimberley hatte große Schmerzen, die mit Morphium gestillt wurden. Nach und nach wurde das Morphium abgesetzt und Kimberley bekam Halluzinationen. Ich wusste überhaupt nicht, was los war. Kimberley krallte sich ständig an den Stäben vom Bett fest und sagte: “Ich fall Mutti ich fall”
 
Doch dann wurde mir klar, nachdem sie von Dinos am Fenster erzählte, dass dies etwas mit der Rücknahme des Medikamentes zu tun hatte. Auch das wurde besser und Kim wurde auf die normale Station verlegt. Hier galt es aber trotzdem: Den einen Tag essen und den anderen bekam sie nichts! Alle zwei Tage Verbandswechsel und still im Bett liegen bleiben war trotz allem weiterhin angesagt und schwierig. Endlich wurde auch der Katheder entfernt, der ihr große Schmerzen bereitet hatte. An den Entnahmestellen am Kopf
hatte sie ständigen Juckreiz. Oma strickte ihr eine Mütze, damit sie nicht so friert und nach und nach wuchsen die ersten Stoppeln nach.
 
Allmählich kam ein Rhythmus in unseren stationären Aufenthalt. Früh standen Birgit und ich um sieben Uhr in der Villa auf, wir frühstückten und gingen gemeinsam in die Klinik. Bis mittags versorgten wir dort unsere Kinder und trafen uns zum gemeinsamen Essen wieder in unserer Unterkunft. Danach ging es bis Abends um acht wieder zu unseren Kindern auf Station. Birgit und mir taten der gemeinsame Gang und die Gespräche sehr gut. Bei jeder Trennung gab es mächtige Tränen und der Abschied auf kurze Zeit war für unsere Kinder und uns immer schmerzvoll. Abends besprachen wir den Tag und was wir wohl für die nächsten Tage weiteres tun könnten für das Wohl unserer Kinder. Wir wurden zu einem richtigen Team.
 
Es gab für Kimberley noch eine sehr wichtige Person und das war Tante Schnipp Schnapp. Sie kam jeden Tag und besuchte meine Tochter. Es war die Schwester vom Aufwachraum. Die beiden hatten einen Spaß ? und Kim war super glücklich in dieser Beziehung.
Alle zwei Tage wurde Kim in Vollnarkose der Verband gewechselt und danach kam sie für zwei Stunden in den Aufwachraum zu Kontrolle. In der Zeit widmete sich diese Schwester mit viel Herz meiner Tochter. Tante Schnipp Schnapp wurde ihr neuer Name, weil sie jedes Mal mit ihr Platzdeckchen schnitt. Tante Schnipp Schnapp besucht uns immer noch, sie kam zu Kimberleys Schulanfang und ist uns bis heute eine gute Freundin geblieben. Wir sind ihr sehr dankbar dafür.
 
Nach und nach kam Kim wieder auf die Beine. Wir fingen zunächst einmal wieder mit dem Toilettengang an. Als nächstes übten wir laufen. Durch das lange Liegen war das nicht mehr möglich. Wir bekamen einen Kinderrollstuhl mit dem wir die Station auch einmal verlassen konnten. Ins Freie durften wir wegen der Infektionsgefahr leider noch nicht.
 
Jedes Wochenende bekam Kim von den Omas und Opas Besuch. Das war was! Jeder brachte etwas Neues mit und Kim freute sich.
 
Nach anderthalb Monaten in der Klinik hatten wir gute Erfolge. Kimberleys transplantierte Haut war vollständig angewachsen und jetzt galt es nur noch der Heilung Zeit zu geben. Kim bekam einen Kompressionsanzug, den sie die nächste Zeit tragen musste. Daraus wurden zweieinhalb Jahre, aber die Kompression war in der Behandlung sehr wichtig und hilfreich, was wir aus heutiger Sicht gut beurteilen können, auch wenn das Anziehen sich manchmal als Tortur erwies.
 
Obwohl sich alles gut entwickelte, ließ man uns noch immer nicht das Haus verlassen. Die Tage wurden eintönig, unsere Nerven spielten nicht immer mehr so mit, wie wir das gern gehabt hätten und kleine Aggressionen wurden bemerkbarer. Im Klinikum wurde zudem auch noch modernisiert und wir mussten in Container umziehen.
 
Wegen der erhöhten Infektionsgefahr konnten sich die Kinder auf der Station auch nicht in einem Kinderzimmer zum Spielen treffen. Jeder war für sich in einem Zimmer. Ab und zu brachte ein Neuzugang Abwechslung. Ich wusste bald nicht mehr wie ich meine Tochter beschäftigen sollte! Das war eine harte Zeit für meine Tochter und Resignation machte sich bei uns beiden bemerkbar.
 
Auf meine Bitte hin durften wir endlich wenigstens etwas spazieren gehen. Nun ging es Aufwärts. Ich nahm meine Tochter mit in die Villa, bekochte sie und wir konnten durch die tolle Einrichtung, die das Haus aufwies, mit anderen Kindern Kontakt aufnehmen und uns tagsüber sinnvoll beschäftigen. Kimberley blühte nach und nach auf.
 
Kim ging es jeden Tag besser. Ihre Wunden heilten und nach langem Warten durften wir nach drei Monaten endlich nach Hause.
 
Zuhause wartete unsere Familie und Kim freute sich riesig auf ihre Katze Elfriede, auf ihr Zimmer und auf die Natur, die unser Haus umgab. Drei Monate lang hatte sie gewartet, endlich wieder in den Kindergarten gehen zu können, ihre Freunde zu treffen und ihren gewohnten Dingen nach zu gehen.
 
Es war ein schönes Gefühl wieder zu Hause zu sein ?    
In den Jahren darauf folgten noch einige Nachbehandlungen. Heute ist Kimberley 15 Jahre jung und für uns gab es eine kurze Zeit in der wir gedacht haben dass man das Thema Verbrühung einfach mal nicht mehr ansprechen sollte. Um Kimberley abzulenken und mit der Erwartung, das man dadurch das Ganze wie ungeschehen machen könne. Doch das erwies sich als ganz schlecht! Der Unfall und die Narben sind und bleiben ein Thema unseres Lebens. Auch dadurch, dass wir es als Teil unserer Lebensgeschichte akzeptiert haben, wurde es für alle leichter. Die Rücksicht für Kimberley ist größer. Sie hat ihren Freunden gegenüber keine Scham entwickelt, sondern erfährt durch die Offenheit großes Verständnis von allen Seiten.
 
Wir haben für den Kindergarten ein großes Plakat entworfen und die Erzieherin hat einen Nachmittag dafür genutzt um den Kindern die Folgen von heißem Wasser oder Feuer zu erklären und welche Folgen dies für den Körper hat.  
Vorher hatten die Kinder immer Abstand zu Kim gehalten. Durch die Aufklärung über Verbrühung und Verbrennung wurden die Kinder Kimberley gegenüber immer verständnisvoller und es gab keine Vorkommnisse mit schlechten Worten ihrem Aussehen gegenüber. Wir hatten eher das Gefühl sie respektieren sie als vollkommen.  
Dies handhabten wir situationsbedingt in den folgenden Jahren weiterhin so. So gab es bisher nur einmal ein negatives Erlebnis in einer Badeanstalt.
 
Trotz unseres schweren Schicksals versuchten wir immer wieder uns neu zu orientieren. Ganz große Arbeit leistet der Paulinchen Verein mit seinen Seminaren in Rummelsberg. Kimberley verbrachte ein paar Tage mit Gleichgesinnten. Dort wurde ihr bewusst, dass sie nicht allein auf der Welt ist mit ihrem Schicksal. Ich konnte Spezialisten Fragen stellen und habe andere Eltern mit brandverletzten Kindern kennen gelernt. Das Paulinchen-Seminar hat uns beiden sehr geholfen.
 
Wir möchten allen mit unserer Geschichte zeigen, dass es ein lebenswertes Danach gibt. Für kurze Zeit war mir das als Mutter nicht bewusst, doch die Erfahrungen und die Zeit haben es mir gezeigt. Ich bin sehr stolz auf meine Tochter Kimberley, wie sie selbst mit dem Thema umgeht und eine sehr positive Haltung im Leben hat.
 
Dafür möchte ich allen Beteiligten aus tiefstem Herzen danken, denn ohne deren Hilfe und Unterstützung hätten wir das nicht geschaff:

  • der Notärztin, die zufällig vier Wochen vor unserem Unfall an einer Weiterbildung zu Verbrühungen/Verbrennungen teilgenommen hatte und wir so das große Glück hatten, gleich an der richtigen Stelle versorgt zu werden.
  • dem Chefarzt der Spezialklinik und dem leitenden Arzt auf Station 
  • allen Schwestern auf Station, die auch uns mit allem ertragen mussten :-) 
  • Schwester Schnipp Schnapp 
  • meiner guten Freundin Birgit, ihrem Sohn Michael und meinen Eltern, Verwanden, Freunden und Bekannten