In der Zeit des Klinikaufenthaltes kann ein Gespräch mit anderen Betroffenen Fragen und Prognosen klären helfen.
Viele Familien holen bei
Paulinchen – Initiative
für brandverletzte Kinder e.V.
Informationen ein,
um das Geschehene
besser zu verstehen
und um auf die Rehabilitation
vorbereitet zu sein.
Paulinchen ruft Sie gern in der Klinik zurück!
Wenn Sie weitergehende Informationen oder Hilfe benötigen, rufen Sie uns gerne unter unserer kostenlosen Hotline an:
0800 0 112 123
Informationen für Eltern mit brandverletzten Kindern im Krankenhaus
Ihr Kind hat einen Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall erlitten und liegt im Krankenhaus. Da wir als betroffene Eltern wissen, wie man sich in der ersten Zeit fühlt und was mit dem Kind in der Klinikzeit passiert, haben wir versucht, die wichtigsten Behandlungspunkte für Sie zusammenzufassen, damit Sie sich in ruhigen Augenblicken informieren können.
Erstversorgung im Krankenhaus:
Bei Verbrennungen und Verbrühungen wird nach der flächenmäßigen Ausdehnung und der Tiefe der Verletzung unterschieden. Die Haut besteht aus mehreren, sehr dünnen Schichten. Man unterscheidet zwischen Verbrennungen ersten, zweiten oder dritten Grades. Da die zweite Hautschicht dicker ist, unterteilt man den zweiten Grad in “oberflächlich" und “tief".
Eine endgültige Beurteilung des Ausmaßes der Verletzung kann oft nicht sofort, sondern erst nach ein paar Tagen getroffen werden.
Bei der Erstversorgung durch den Arzt werden unter sterilen Bedingungen Blasen und verletzte Hautteile entfernt, es wird ein kühlender Verband mit einer desinfizierenden Salbe aufgelegt. Weniger ausgedehnte Verletzungen werden auf der Normalstation weiterbehandelt.
Bei großflächigeren Verbrennungen (das ist bei Kindern bereits ab 10 % der Körperoberfläche) erfolgt zunächst die Stabilisierung auf der Intensivstation. Dort werden zunächst der Kreislauf und die wichtigen Köperfunktionen überwacht. Eine Verbrennung kann manchmal zu einer Krankheit führen, die alle Organe des Körpers betrifft. Wenn möglich, sollten deshalb schwerere Verbrennungen immer in einer Spezialklinik für Schwerbrandverletzte versorgt werden.
Lokalbehandlung:
Nach der Stabilisierung des Kindes werden die Wunden geschlossen (mit Salben und Verbänden) oder offen (in einem auf 37°C beheizten Raum und speziellen Betten) behandelt. Verbandswechsel finden bei ausgedehnten Verbrennungen meist unter Narkose statt. Nach genauem Erkennen der Tiefe der Verletzung wird entschieden, wie der weitere Behandlungsplan aussehen wird:
- 1° oberflächliche Rötung:
Heilt ohne weitere Bemühungen nach ein paar Tagen narbenfrei ab.
- 2°a (oberfl.) Blasenbildung: Heilt ohne Eingriffe nach ein bis drei Wochen narbenfrei ab.
- 2°b (tief) weiße Beläge: Heilt ohne Eingriffe nach ein bis drei Wochen narbenfrei ab. Chirurgische Eingriffe führen zu besseren ästhetischen und funktionellen Resultaten.
- 3° Zerstörung aller Hautschichten: Es muss immer operiert werden. Ohne chirurgischen Eingriff ist keine Heilung möglich, da die oberen Hautschichten zu schwer verletzt sind. Es bleiben Narben.
Hauttransplantation:
Um das spätere Aussehen der Narben so optimal wie möglich zu gestalten, vor allem an sichtbaren Stellen wie Gesicht, Hals, Dekolleté und Händen , sowie im Bereich von Beugestellen (Hals, Achsel, Ellenbogen) beginnt man mit der operativen Wiederherstellung meist so bald wie möglich. Abgestorbene Hautbezirke (Nekrosen) werden entfernt. Von gesunden Stellen des Körpers werden dünne Hautschichten (Spalthaut) genommen, auf die verletzten Gebiete aufgelegt und fixiert, damit sie dort anwachsen (Transplantation). Diese Spalthaut kann durch Einschneiden zu einem Gitternetz (Mesh-Graft) vergrößert werden, um mehr Fläche damit bedecken zu können. Je nach Ausmaß der Verletzungen müssen für das Schließen der Wundflächen eine oder aber auch mehrere Operationen angesetzt werden.
Hautentnahmestellen:
Viele Kliniken entscheiden sich dafür, bei Kindern die oberflächlichste Haut vom Kopf zu entnehmen, da dann die Entnahmestellen später unter den Haaren verborgen liegen. Dafür muss der Kopf völlig rasiert werden, die Haare wachsen schnell und vollständig wieder nach. Reicht diese Haut nicht aus, wählt man bei Kindern in der Regel die Innenseiten der Oberschenkel oder den Po als weitere Entnahmestellen. Wenn die Verbrennung extrem großflächig ist, werden die verletzten Stellen vorübergehend mit Hautersatzmaterialien abgedeckt um in "Etappen" zu transplantieren. Manchmal wird auch aus körpereigenen Hautstücken, die in der Größe einer Briefmarke entnommen werden, neue Haut gezüchtet (Keratinozyten).
Nach der Operation
Nach der Operation müssen zum Einheilen der aufgelegten Transplantate die betroffenen Gebiete ungefähr 5 Tage vollständig ruhig gestellt werden (evtl. auch durch einen Gipsverband oder Schienen). Nach dieser Ruhezeit erfolgt der erste Verbandswechsel unter Narkose, bei dem sich herausstellt, in wie weit die Transplantate vom Körper angenommen worden sind. Manchmal wächst nicht alles an (z.B. wegen infizierter Wunden, schlechtem Wundgrund), dann muss der Eingriff eventuell wiederholt werden.
Nachbehandlung:
Entscheidend für den langfristigen funktionellen und ästhetischen Erfolg ist die Nachbehandlung (Rehabilitation) nach der Entlassung. Noch im Krankenhaus wird Ihrem Kind ein elastischer Kompressionsanzug angemessen, der nach Abheilen der Wundflächen regelmäßig rund um die Uhr getragen werden muss. Durch die Kompression wird vermieden, dass Narben wuchern. Die Kompressionsbehandlung ist der wichtigste Therapieschritt nach der Klinikbehandlung zur Erzielung eines bestmöglichen Narbenbildes!
Die schon in der Klinik begonnene Krankengymnastik oder/und Ergotherapie muss auch zu Hause weitergeführt werden.
Die verletzten Stellen müssen regelmäßig eingecremt werden, um der transplantierten und vernarbten Haut genügend Fett beizufügen und sie elastisch zu halten. Direkte Sonneneinstrahlung ist schlecht für Narben, also optimaler Sonnenschutz (z.B. durch entsprechende Cremes, spezielle Sonnenschutzkleidung) ist sehr wichtig!
Angebotene Hilfestellungen:
Ein Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall betrifft die ganze Familie. Der Klinikaufenthalt und die Rehabilitation erfordern von Ihnen und Ihrem Kind viel Kraft und Geduld. In der Regel wird in entsprechend ausgestatteten Kliniken sofort psychologische oder seelsorgerische Hilfe angeboten. Nehmen Sie diese professionelle Hilfe unbedingt an. Familien, die auch in der gleichen Situation waren wie Sie, und deren Kinder dieselben Behandlungsschritte durchleben mussten, haben sich zu Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e. V. zusammengeschlossen.
Wenn Sie Ihren Kummer teilen wollen, wenn Sie Fragen haben oder Trost brauchen, rufen Sie uns an. Da wir wissen, wie teuer es ist, von der Klinik aus zu telefonieren, rufen wir auch gerne zurück. Der Blick in die Zukunft ist leichter, wenn man mit Familien spricht, die den Unfall schon länger hinter sich haben und deren Kinder wieder vergnügt und heiter sind.
Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V.
Segeberger Chaussee 35
22850 Norderstedt
kostenlose Hotline 0800 0 112 123
Fax 040 529 50 688
E-Mail
Adelheid Gottwald:
Tel. 02102 135 739




