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Madita

Folgenden Brief fanden wir in einer Mappe, die im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg für Eltern mit brandverletzten Kindern ausliegt. Der Brief wurde eine Woche nach dem Verbrühungsunfall geschrieben und zeigt, wie man schon nach kurzer Zeit wieder Kräfte entwickeln und in eine positive Richtung denken kann:

Diese Zeilen sind all denen gewidmet, die sich jetzt in einer ähnlichen Situation befinden wie wir, als wir um das Leben von Madita bangten.

Madita, 7 Monate alt, hatte sich den Wasserkocher über den Körper gegossen als sie an der Schnur zog. Leider war der Kocher voll und wohl sehr heiß. Sie zog sich auf jeden Fall schlimme Verbrennungen 2. und 3. Grades zu. 15% der Körperfläche, so stellte sich heraus, waren völlig verbrannt, bzw. verbrüht.

Die Angst, das Hoffen, die Hoffnungslosigkeit, die Hilflosigkeit und vor allem immer wieder die Angst haben meiner Frau und mir das Leben fast unerträglich gemacht. Der bodenlose Fall von einem ganz normalen Tag zu einem Horrortrip innerhalb weniger Minuten schnürte uns die Kehle zu. Immer wieder wechselte Hoffnung mit Angst.

Obwohl Madita schnellstens ärztlich versorgt worden war, sah sie schlimm aus. Das Gesicht war bereits am zweiten Tag angeschwollen, sie hatte Fieber und wurde mit Morphium vollgepumpt, um die Schmerzen zu ertragen. Für meine Frau und mich blieb nur das Warten – eine „Tätigkeit“, die die nächste Woche komplett ausfüllen sollte.


Eine Woche nach dem VerbrĂĽhungsunfall

Jetzt da ich diese Worte schreibe, ist eine Woche und ein Tag vergangen, und es ist längst nicht mehr alles so dunkel, wie der eben beschriebene Höllentraum. Wie fange ich an, Hoffnung bei Ihnen zu säen, werter Leser, wo es Ihnen wahrscheinlich gar nicht danach ist?

Zunächst einmal: Wenn Sie von Spezialisten, wie wir aus dem Kinderkrankenhaus Wilhelmstift und der Spezialklinik Boberg versorgt werden, befinden Sie sich in den bestmöglichen Händen, die Sie sich vorstellen können. Die Damen und Herren, Ärzte und Schwestern, wissen, wovon sie reden.

Die in einer solchen Situation unabänderliche Operation, die eventuell auf Ihren Schützling zukommen wird, ist zwar risikobeladen, aber mit dem Team bestens besetzt. Sie brauchen sich um Ihr Kind keine Sorgen zu machen. Die Ärzte wissen auch um alle Gefahren, Nebenwirkungen, Besonderheiten und vor allem um die Psyche der Menschen. Nach der Operation muss Ihr Kind – mit Ihrer Hilfe – das meiste selbst tun: Dafür kämpfen, dass die Hauttransplantationen anwachsen.
Ein fast unerträglicher Moment ist der, wenn Sie auf das Ergebnis warten. Davon hängt ab, ob Ihr Kind noch einmal operiert werden muss. Allerdings wäre selbst eine zweite Operation bei weitem nicht so „wild“ wie die erste, in der auch die verbrannten Stellen entfernt werden müssen.

Bei uns ist bisher alles gutgegangen. Alle Transplantate sind angewachsen und unsere Tochter ist gerade wieder dabei aufzuwachen. Wir haben eine Woche ihre Augen und ihr Lächeln nicht mehr gesehen. Zumindest die Augen haben wir heute – wenn auch verschwommen und leicht abwesend – wieder angeschaut. Madita wird diesen schweren Unfall gut überwinden. Sie wird Narben behalten, wie sehr, weiß keiner, aber sie wird leben und glücklich werden können.

Denken Sie daran: Ihr Kind wird leben und wieder lachen können, und Sie werden diese schweren Stunden und Tage überstehen und sich darüber freuen, Ihr Kind wieder lächeln zu sehen.

JĂĽrgen F.

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