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Mit dem Abstand von 2 Jahren

...schreibt die Mutter von Denis in diesem Erfahrungsbericht ├╝ber ihre Gef├╝hle in dieser schweren Zeit, wie sie diese Zeit als Familie gemeistert haben und sogar viele positive Aspekte und Erkenntnisse daraus ziehen konnten.

Fast genau 2 Jahre ist es her, dass unser Sohn Denis sich mit kochendem Wasser verbr├╝hte.
Jetzt, nach langer Zeit und dem bevorstehenden absoluten Abschluss der Kompressionsbehandlung ertappe ich mich immer wieder mal dabei, wie ich die vergangenen 2 Jahre Revue passieren lasse. Der Beginn einer Urlaubsreise im Juni soll nun der Zeitpunkt sein, an dem die Kompressionsjacke f├╝r immer im Schrank bleiben soll. Unser vorerst letzter Schritt auf einem langen Weg und f├╝r mich irgendwie auch der Zeitpunkt f├╝r einen Abschluss.

Mindestens 1 Jahr dieser Zeit war erf├╝llt von verzweifelter Aktivit├Ąt auf der Suche nach der optimalen Nachbehandlung. "Nur keine Fehler machen, die Zeit ist kostbar, was jetzt vers├Ąumt wird kann man nie wieder gut machen!" Diese und ├Ąhnliche Gedankeng├Ąnge bestimmten meinen Alltag. All diese S├Ątze waren mein st├Ąndiger Begleiter. Bei allen Qualen war mir doch Gl├╝ck beschieden, denn mein Sohn ertrug alle notwendigen vermeintlichen G├Ąngeleien mit absoluter Gelassenheit.

Im Nachhinein wei├č ich, dass dies wohl f├╝r mich der richtige Weg war, die ganze Geschichte zu verarbeiten. Wie sollte auch sonst ein Verarbeiten aussehen, wo man ja als Mutter ├╝berwiegend mit der t├Ąglichen Pflege der Narben betraut war und immer wieder die anfangs oft erschreckend aussehenden Narben pflegen musste. Jeden Tag aufs Neue erlebte ich beim Ausziehen der Kompressionsjacke entweder eine momentane Beruhigung oder ich war total deprimiert beim Anblick dieser feuerroten Unget├╝me, die ich am liebsten weggecremt h├Ątte. Dann der Schock, wenn trotz optimaler Kompression die Narbe wuchert. Was nutzen da Erkl├Ąrungen, Theorien und Vernunft? Also wieder eine neue Creme, ein neues ├ľl, eine neue Silikonauflage und dabei immer auf der Suche nach neuen M├Âglichkeiten, neuen Techniken, noch mehr Information oder sogar dem Wundermittel.

War das alles n├Âtig, frage ich mit jetzt im Nachhinein? Ich kann f├╝r mich nur mit "Ja" antworten. Meinem Sohn haben die verschiedenen Cremes und ├ľle sicher nicht geschadet. Gecremt werden mussten die Narben ohnehin. Die Kompression war auch nicht zu vermeiden, ob mit Anzug der Firma A oder Firma B. F├╝r mich war dieses Ausprobieren jedoch das gro├če Ventil. Irgendwohin musste doch der ganze Schmerz und die Verzweiflung. Obwohl wir noch das gro├če Gl├╝ck hatten, von Anfang an eine verst├Ąndnisvolle Familie und ein teilnahmsvolles Umfeld zur Seite zu haben. Ein sicher sehr wichtiger, nicht zu untersch├Ątzender Faktor. Doch der tief in mir sitzende Schmerz und die Schuldgef├╝hle mussten doch am Ende ganz allein verarbeitet werden. Ein langer Weg, auf dem es galt abzuw├Ągen, selbst Entscheidungen zu treffen, sich nicht immer nur auf eine ├Ąrztliche Entscheidung verlassen zu k├Ânnen. Was mir pers├Ânlich nicht immer leicht gefallen ist.

Sehr hat mir in dieser ganzen Zeit dabei auch der Kontakt mit anderen betroffenen Eltern geholfen. Mein erstes Lesen im Paulinchen war f├╝r mich eine ma├člose Erleichterung. Eltern berichteten ├╝ber Gef├╝hle, Erfahrungen und Erlebnisse, die mir so vertraut waren. So habe ich auch immer die Treffen und Seminare empfunden, als solidarischen Gedankenaustausch und gegenseitige Hilfestellung, sogar in scheinbar belanglosen Gespr├Ąchen untereinander.

So r├╝ckte ganz nebenbei und kaum von mir bemerkt die ganze Problematik immer weiter in den Hintergrund, der Alltag forderte sein Recht, andere Entscheidungen traten in den Vordergrund.

Das Thema Narbenkorrektur - ohne medizinische Indikation nur rein plastisch gesehen -  ist f├╝r mich im Moment gar kein Thema mehr. Sehr geholfen hat mir bei dieser Erkenntnis das Seminar von Paulinchen e.V. in Rummelsberg.

Seine Narben st├Âren Denis im Moment ├╝berhaupt nicht, sie sind f├╝r ihn eine Selbstverst├Ąndlichkeit. Wieso sollte ich mich dann wohl daran st├Âren, wo er doch mein ├╝ber alles geliebtes Kind ist und von mir auch so verstanden wird: ohne Wenn und Aber. Eine Entscheidung f├╝r die Narbenkorrektur wird er selbst treffen m├╝ssen und zwar dann, wenn er meint, dass diese Ma├čnahme notwendig f├╝r ihn ist.

Der Abstand von 2 Jahren, verbunden mit erleichtertem Aufatmen:

  • weil wir es gemeinsam als Familie gemeistert haben,

  • wegen dem Kennenlernen von sehr vielen netten und engagierten, hilfsbereiten Leuten

  • und wegen der Erkenntnis, dass trotz all dem Schrecken noch ein Schutzengel bei ihm war, denn Denis lebt mit uns und das ist einfach sch├Ân! Wollten wir jemals mehr?

Sabine B.

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Land der Ideen 2011